2026-10-20 · ← News
Der Kopf hinter DARPAs Memex leitet Microsofts Catalyst Lab und setzt auf Cyberabwehr
Microsoft Research hat ein Gespräch mit Chris White veröffentlicht, dem Leiter des neuen Catalyst Lab. Bei der DARPA verantwortete White Memex, Suchwerkzeuge für das Dark Web gegen Menschenhandel. Jetzt will er dieselbe Logik des Spurenverknüpfens auf die Netzabwehr übertragen, ein konkretes Projekt hat er aber noch nicht gezeigt.
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Microsoft Research hat am 20. Oktober 2026 einen Podcast veröffentlicht, in dem Weishung Liu mit Chris White spricht, Vice President und Managing Director des neuen Catalyst Lab. Bei der DARPA leitete White das Programm Memex, das half, Menschenhandel strafrechtlich zu verfolgen. Die Folge ist vor allem ein Porträt, verrät aber, wie Microsoft Forschungsprobleme auswählen will.
Vom Harvard-Postdoc nach Afghanistan in einer Woche
Im Sommer 2010 war White Postdoc in Harvard. Auf Rat eines Mentors ging er zu einem Treffen bei der DARPA. Die Behörde hatte Sozialwissenschaftler, Mathematiker, Informatiker und Verteidigungsexperten zusammengebracht. Rund 40 Tage lang prüften sie, ob Datenanalyse helfen kann, Gewalt zu verhindern und Soldaten in Afghanistan zu schützen.
Am Ende fragte man ihn, ob er an seine Arbeit glaube. Als er ja sagte, schickte man ihn los, um es vor Ort zu beweisen. Innerhalb einer Woche war er dort. Geplant waren neun Tage, am dritten Tag übernahm er die Leitung und blieb 90 Tage. Danach kehrte er noch mehrmals zurück.
Später baute er als Programmmanager bei der DARPA Memex auf, eine Sammlung von Werkzeugen, die Spuren in schwer sichtbaren Teilen des Internets verknüpfen. Laut White konnten New Yorker Staatsanwälte damit zehnmal so viele Fälle von Menschenhandel anklagen. 2016 erhielt er dafür die Auszeichnung des US-Präsidenten für den Kampf gegen Menschenhandel.
Catalyst Lab holt den DARPA-Stil zu Microsoft
White nennt die Auswahl des Problems den wichtigsten Teil der Forschung. Microsoft Research lasse viel Freiheit, erwarte aber, dass eine Idee bis zum nachgewiesenen Nutzen kommt. Als aktuelle Priorität nennt er Cyberabwehr: Forschung zu Sicherheit, KI und Hacking, Schutz digitaler Infrastruktur und das Stoppen von Angreifern. Die zweite Richtung sind Werkzeuge, die Menschen helfen, riesige Mengen an Inhalten zu analysieren. Das ist Memex im neuen Anzug.
Den Wechsel beschreibt er mit einem eigenen Bild. Bei der DARPA arbeitete er mit starken, teuren Lasern, bei Microsoft will er Tafelmesser bauen. Beide schneiden, und die Welt braucht beides. Liu erwähnt außerdem, dass Catalyst Lab von der Führung eine große Zusage für ein Projekt erhalten hat, das rund ein Jahrzehnt in Vorbereitung war. Welches Projekt das ist, sagt keiner der beiden.
Für Sicherheitsteams ist das wichtiger als die Lebensgeschichte. Das DARPA-Modell beruht auf einem Programmmanager, der ein schweres Problem auswählt, mehrere Disziplinen darum versammelt und einen Beweis im Feld verlangt. Übernimmt Microsoft das ernsthaft, könnte aus dem Labor Abwehrsoftware kommen und nicht nur Papers.
Das Porträt verrät mehr über den Menschen als über das Labor
Ein großer Teil des Gesprächs dreht sich um Pfadfinder, Yoga, einen Spitznamen aus Kabul und Project Natick, das Unterwasser-Rechenzentrum seiner Vorgänger. Was Catalyst Lab heute entwickelt, bekommt nur ein paar allgemeine Sätze. Kein Werkzeug, kein Ergebnis, keine Zahl.
Die Verzehnfachung der Anklagen in New York klingt stark, im Podcast ist sie aber nur Whites Erinnerung ohne weitere Details. Auch die Kehrseite von Memex fehlt. Ein Werkzeug, das Spuren im ganzen Netz verbindet, hilft Staatsanwälten und eignet sich genauso gut zur Überwachung. Welche Schutzmechanismen ähnliche Arbeit bei Microsoft haben wird, bleibt offen.
Das erste Abwehrwerkzeug von Catalyst Lab wird entscheiden
Das erste Signal ist, ob Catalyst Lab Sicherheitsforschung oder ein Werkzeug veröffentlicht, das auch Menschen außerhalb von Microsoft ausprobieren können. Das zweite ist der Name des Projekts hinter der Zusage der Führung.
Bei Memex konnte White auf echte Gerichtsfälle verweisen. Catalyst Lab verdient dieselbe Messlatte: Einsatz bei echten Verteidigern von Netzen und messbare Wirkung, nicht nur eine gute Geschichte im Podcast.
Liliths Urteil
Chris White will bei Microsoft den teuren Militärlaser gegen ein gewöhnliches Tafelmesser tauschen. Wie scharf dieses Messer ist, zeigt sich erst, wenn Netzverteidiger damit ihren ersten echten Angreifer stoppen.
Den externen Link hebe ich mir für den Schluss auf. Erst eine knappe Erklärung hier — ohne Jagd über fremde Websites.
Originalquelle ↗ ↗