2026-10-28 · ← News
OpenAI dockt ChatGPT binnen zwei Tagen an Oracle und ServiceNow an. Live ist bisher nur ein Plugin
ServiceNow hat am 28. Oktober im Marketplace von OpenAI ein Plugin freigeschaltet, mit dem IT-Fachleute aus ChatGPT heraus ähnliche Incidents finden und Datensätze ändern. Oracle kündigte einen Tag zuvor eine ähnliche Anbindung an. Die meisten übrigen Versprechen, auch Sicherheitswerkzeuge mit OpenAI-Modellen, sind erst für 2027 terminiert.
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OpenAI hat innerhalb von zwei Tagen die Partnerschaften mit zwei großen Anbietern von Unternehmenssoftware ausgebaut. Oracle und ServiceNow wollen, dass Beschäftigte ihre Systeme direkt aus ChatGPT heraus bedienen, und beide bauen Sicherheitsprodukte auf den Cyber-Modellen von OpenAI.
ServiceNow liefert das ChatGPT-Plugin sofort, der Rest folgt 2027
ServiceNow hat am 28. Oktober sein MCP-Plugin im Marketplace von OpenAI freigeschaltet. Ein Unternehmen verbindet ChatGPT mit der eigenen ServiceNow-Instanz und legt selbst fest, welche Funktionen verfügbar sind. Laut OpenAI kann ein IT-Mitarbeiter dann in einem einzigen Gespräch ähnliche Incidents finden, das Risiko einer geplanten Änderung einschätzen und einen Datensatz aktualisieren. ServiceNow Action Fabric setzt die bestehenden Geschäftsregeln und Berechtigungen durch, sodass Nutzer in ChatGPT nur das dürfen, was sie auch direkt in ServiceNow dürften. Ausgeführt und protokolliert werden die Aktionen laut ServiceNow weiterhin im eigenen System.
Der Rest der Vereinbarung ist vorerst ein Plan. Erweiterte Plugin-Funktionen sollen bis Ende 2026 kommen. Sprachgesteuerte Risikofragebögen für KI-Projekte im Super Intelligence Control Tower sind für das erste Quartal 2027 angekündigt. Die gemeinsame Sicherheitslösung soll im Januar 2027 in den Early Access gehen und im zweiten Quartal 2027 allgemein verfügbar sein. Codex in der AI Workflow Factory soll im Laufe des Jahres 2027 folgen. Außerdem gibt ServiceNow ChatGPT Work und Codex allen Beschäftigten, nicht nur der Entwicklung, und OpenAI nutzt ServiceNow-Workflows im eigenen Betrieb.
Einen Tag zuvor, am 27. Oktober, hatte Oracle den Oracle AI Workspace angekündigt. Er soll Oracle Fusion Applications, NetSuite, Oracle AI Database und OCI über Plugins in ChatGPT bringen. Laut OpenAI befindet er sich noch in Entwicklung. Dazu stellte Oracle den Oracle AI Security Mesh auf Basis der Cyber-Modelle von OpenAI vor, App Composer zum Bauen von Anwendungen mit Codex sowie ein Paket für kleine Firmen mit OCI-Guthaben von 12.000 Dollar pro Jahr. Laut OpenAI meldet Oracle 130.000 aktive ChatGPT-Nutzer und mehr als 95.000 aktive Codex-Nutzer.
ChatGPT wird zum Eingang in die Firmensysteme, die Regeln behalten die Anbieter
Beide Anbieter haben die Rollen gleich verteilt. In ChatGPT stellt der Mensch Fragen und vergibt Aufgaben. Oracle und ServiceNow behalten Daten, Freigaben und Berechtigungen. Atlassian ging Anfang Oktober einen ähnlichen Schritt, worüber Radar berichtete. Innerhalb eines Monats hat OpenAI damit drei ausgebaute Partnerschaften angekündigt, die ChatGPT zum gemeinsamen Eingang in die Systeme machen, in denen Firmen Tickets, Rechnungen und Projekte führen.
Für IT-Abteilungen hat das eine praktische Folge. Das Plugin übernimmt die Berechtigungen, die eine Firma in ServiceNow oder Oracle bereits vergeben hat. Herrscht dort Wildwuchs, etwa mit veralteten Rollen oder zu breiten Zugriffen, kaschiert ChatGPT das nicht. Es öffnet nur einen bequemeren und schnelleren Weg dorthin. Aufgeräumte Rollen werden damit zur Voraussetzung für den Rollout und sind keine optionale Pflegearbeit mehr.
Der zweite gemeinsame Nenner ist Sicherheit. Laut ServiceNow kann ein einziger Scan einer Codebase 10.000 bis 100.000 oder mehr Befunde liefern, und am schwierigsten ist es zu erkennen, welche davon wirklich brennen. Das Unternehmen ist kürzlich dem Programm Trusted Access for Cyber von OpenAI beigetreten. Oracle verspricht, die Testinfrastruktur und die Schutzmechanismen gegen Ausfälle während der Tests selbst zu betreiben. Die Cyber-Modelle erreichen Unternehmen also über einen Anbieter, der das Betriebsrisiko trägt.
Heute lässt sich ein Plugin testen, der Rest ist ein Kalender voller Zusagen
Vom gesamten Paket kann ein ServiceNow-Kunde heute nur das Basis-Plugin ausprobieren. Sicherheitslösung, Sprachfunktionen und Codex in der AI Workflow Factory haben Termine im Jahr 2027, für den Oracle AI Workspace gibt es überhaupt kein Datum. Der Kauf von OpenAI API, Codex und ChatGPT Work über den Oracle Marketplace richtet sich laut OpenAI an Kunden in den USA. Europäische Firmen müssen ihre Lizenzen also auf dem üblichen Weg regeln.
Zum Audit-Trail schweigen die Ankündigungen ebenfalls. Ändert ChatGPT im Auftrag eines Nutzers einen Datensatz, führt ServiceNow die Aktion nach den eigenen Regeln aus. Offen bleibt, wie genau protokolliert wird, was das Modell vorgeschlagen und was der Mensch bestätigt hat. Für regulierte Unternehmen wird das eine der ersten Fragen im Einkauf sein.
Der Early Access im Januar zeigt, ob die Modelle Befunde priorisieren können
Der erste harte Test ist die Sicherheitslösung von ServiceNow im Januar 2027. Bekommen Kunden aus Zehntausenden Befunden eine kurze Liste tatsächlich ausnutzbarer Fehler, hat die Vereinbarung Substanz. Bekommen sie nur eine weitere Ticket-Warteschlange, haben sie ein Dashboard mehr.
Das zweite Signal ist der Oracle AI Workspace. Solange er weder Datum noch Preisliste hat, bleibt er eine Absicht. Das dritte Signal ist, wie viele weitere Anbieter sich nach demselben Muster an ChatGPT anschließen. Je mehr es werden, desto stärker wird ChatGPT zur zentralen Arbeitsoberfläche der Unternehmen und desto besser steht OpenAI am Verhandlungstisch da.
Liliths Urteil
Oracle und ServiceNow haben ChatGPT die Fernbedienung für ihre Systeme geliehen, den Bestätigungsknopf aber an die eigenen Regeln gekoppelt. Bis Januar 2027 zappt der IT-Techniker damit vor allem durch die Kanäle: ähnlichen Incident finden, Datensatz ändern.
Quellen