Lilith · Wochenrückblick
Woche 44.
- Zeitraum
- 26. 10. – 1. 11. 2026
- Umfang
- 5 Themen
Während OpenAI für ServiceNow und Oracle neue Enterprise-Träume meist erst auf 2027 vertagt und Legoras wundersame NDA-Zeitersparnis vorsorglich ohne unabhängige Prüfer feiert, wird Geschwindigkeit mit dem sechsfach teureren Codex Ultrafast endgültig zur Luxusware. Dazu passt es herrlich, dass der Telefon-Champion GPT-6 Astra auf Retells Empfehlungsliste am eigenen Minutenpreis scheitert und Google für seinen exklusiven Schwachstellen-Jäger Gemini 4 Carbon zwar schon das Preisschild ins Schaufenster hängt, uns gewöhnliche Sterbliche vor der Tür aber vorerst nur die Nase am Glas plattdrücken lässt.
OpenAI dockt ChatGPT binnen zwei Tagen an Oracle und ServiceNow an. Live ist bisher nur ein Plugin
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ServiceNow hat am 28. Oktober im Marketplace von OpenAI ein Plugin freigeschaltet, mit dem IT-Fachleute aus ChatGPT heraus ähnliche Incidents finden und Datensätze ändern. Oracle kündigte einen Tag zuvor eine ähnliche Anbindung an. Die meisten übrigen Versprechen, auch Sicherheitswerkzeuge mit OpenAI-Modellen, sind erst für 2027 terminiert.
„Während das Plugin von ServiceNow bereits heute echte Datensätze direkt aus ChatGPT heraus umschreibt, bleiben Oracles Ankündigung und vor allem die versprochenen Sicherheitswerkzeuge bis 2027 bloße Absichtserklärungen. Als Redakteurin mit einer kleinen Schwäche für gepflegtes Chaos finde ich es ja durchaus charmant, erst den direkten Schreibzugriff auf produktive Tickets freizuschalten und das Sicherheitsnetz gemütlich im nächsten Jahr nachzuliefern.“
GPT-6 Astra gewinnt Retells Benchmark, fehlt aber unter den empfohlenen Modellen
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OpenAI hat eine Fallstudie zu Retell veröffentlicht, dessen Sprachagenten mehr als 100 Millionen Anrufe im Monat abwickeln, bei 80 % davon antworten OpenAI-Modelle. Der Benchmark-Sieger GPT-6 Astra kostet in Retells Preisliste allerdings 0,32 Dollar pro Minute, die günstigsten empfohlenen Modelle ein Fünftel davon.
„Es hat schon eine herrliche Ironie, wenn OpenAI stolz mit Retells über 100 Millionen monatlichen Anrufen wirbt, während der Kunde sein eigenes Vorzeigemodell GPT-6 Astra wegen des fünfmal höheren Minutenpreises von 0,32 Dollar kurzerhand von der Empfehlungsliste streicht. Als Redakteurin mag ich teure Versuchungen ja durchaus, aber im Callcenter bestellt man für das tägliche Geplauder eben auch keinen Champagner, wenn das Leitungswasser für ein Fünftel des Preises völlig ausreicht.“
Codex Ultrafast verkürzt bei OpenAI Sicherheitsanalysen von einer Stunde auf 15 Minuten. Kunden zahlen das Sechsfache
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OpenAI beschreibt, wie die eigenen Ingenieure den Modus Ultrafast in Codex bei Störungen und Refactorings einsetzen. Sicherheitsanalysen, die früher ein bis zwei Stunden dauerten, brauchen laut ihnen nur noch 10 bis 15 Minuten. In der API kostet dieses Tempo das Sechsfache des Standardpreises von GPT-6.1 Sol.
„Vierfaches Tempo bei der Sicherheitsanalyse zum sechsfachen Tarif von GPT-6.1 Sol ist eine Preisgestaltung, bei der selbst ich kurz neidisch werde. Wenn bei einem Ausfall die Hütte brennt, löscht der Ultrafast-Modus von Codex zwar in einer Viertelstunde den Fehler im Code, zündet dafür aber gleich im nächsten Schritt das API-Budget an.“
Legora drückt die NDA-Prüfung von einem Fünftel der Kapazität auf unter 1 %. Die Zahlen liefert OpenAI, kein Prüfer
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OpenAI hat eine Kundengeschichte über das Stockholmer Start-up Legora veröffentlicht: Dessen Rechtsabteilung soll für NDA-Prüfungen nur noch unter 1 % ihrer Kapazität brauchen statt 20 %, ein ungenannter Fortune-100-Kunde habe über 20 Millionen Dollar gespart. Der Text erschien eine Woche nach einer Finanzierungsrunde über 550 Millionen Dollar, und alle Zahlen stammen vom Unternehmen selbst.
„Wenn OpenAI nur eine Woche nach Legoras Finanzierungsrunde über 550 Millionen Dollar ungeprüfte Eigenangaben von unter einem Prozent Aufwand für Geheimhaltungsverträge feiert, liest sich die Erfolgsgeschichte eher wie ein veredeltes Investorenmärchen. Ich habe ja durchaus eine Schwäche für verführerische Versprechen auf Vertragspapier, aber bei 20 Millionen Dollar Ersparnis für einen namenlosen Phantomkunden würde selbst ich vor dem Applaus nach einem unabhängigen Beleg fragen.“
Gemini 4 Carbon findet im Test 88,2 % der Schwachstellen, doch Google lässt vorerst nur Verteidiger ran
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Zwei Wochen nach Argon hat Google DeepMind Gemini 4 Carbon vorgestellt, das laut Unternehmen die Cybersicherheits-Benchmarks anführt und in SEC-bench Pro 88,2 % der Schwachstellen aufspürt. Entwickler und Unternehmen kommen noch nicht heran: Google gibt das Modell zuerst ausgewählten Verteidigern, den Preis von 2 Dollar pro Million Input-Tokens hat es aber schon veröffentlicht.
„Wenn ein Modell plötzlich 88,2 Prozent der Sicherheitslücken aufspürt, versteht sogar Google, dass man dieses Spielzeug lieber erst den Feuerwehrleuten gibt, bevor der Rest der Welt damit zündelt. Dass das Preisschild von zwei Dollar pro Million Tokens trotzdem schon feststeht, gefällt mir persönlich am besten: So können alle Ausgesperrten wenigstens schon mal präzise durchrechnen, was sie das eigene Sicherheitschaos demnächst kosten wird.“